o.T. (kinetisches Objekt) | 2017

Ventilator, Neonröhren, Kabel, Holz, Metall, Textil, Kunststoff, Schaumstoff, Acrylglas, Kordel | Größe variiert

Eine Assemblage bezeichnet in der Kunstgeschichte die Kombination dreidimensionaler Objekte zu einem künstlerischen Werk, häufig in Form eines Reliefs oder einer Skulptur. Lukas Hoffmann und Emanuel Guarascio, die schon länger gemeinsam arbeiten, haben für ihre Assemblage die Form eines Mobiles gewählt, das jedoch wenig mit dem traditionellen Spiel der Balance gemein hat. Es gibt hier keinerlei Hilfskonstruktionen, an denen etwas befestigt wäre. Die miteinander verbundenen Einzelteile sind in ihrer puren Gestalt kombiniert. Das heißt beispielsweise, dass ein orangerotes Verlängerungskabel, welches benötigt wird, um vier parallele Leuchtstoffröhren und den zentralen Tischventilator, Herzstück der Arbeit, in Betrieb zu setzen, als integraler Bestandteil zur Decke führt. Dort ist es mit mehrfacher Wicklung um einen Träger geschlungen, analog zur Wicklung um den Standfuß des Ventilators. Die Arbeit hängt quasi an sich selbst.
Die seitliche Hin- und Herbewegung des Ventilators wird über eine simple Konstruktion auf eine Tischplatte übertragen, auf der ein Gefäß mit klarem Wasser befestigt ist. Diese Platte ist wiederum mit einer Plexiglasstruktur verschraubt, die ebenso wie der darunter befindliche Ventilator, als auch die Leuchten an einem Schaumstoffelement fixiert wurden. Die horizontale Bewegung überträgt sich in ein leichtes Steigen und Senken, der Wasserspiegel schwankt und die Konstruktion mit dem im goldenen Sack gefangenen Luftstrom pendelt und kreiselt äußerst sachte um die eigene Achse durch den Raum. Jeder Bestandteil stellt für sich genommen schon ein Bild dar, kann ein Symbol sein, wie bei einem Bilderrätsel. Doch erst gemeinsam schaffen die Teile eine luftige und offene Projektionsfläche für Assoziationen, welche durch glatte Oberflächen, einen goldfarbigen Luftsack, der vom Ventilator aufgeblasen wird, und das gleißende Licht der Röhren entstehen mögen. Das Gebilde hat etwas von einer abstrakten Bühnensituation, von Show und Glamour. Die Einzelteile sind sowohl "gefunden" (wie der Ventilator) als auch "geschaffen" (wie das eigens geformte Plexiglasstück). Der Arbeitsprozess war geprägt durch Diskussionen der beiden Künstler um die Notwendigkeit wie auch der Positionierung jedes einzelnen Teils. Schließlich balancieren diese in ihrer Zusammenkunft sowohl physisch als auch in übertragenem Sinne ihre Gewichte aus und führen uns ein selbstgeregeltes Kräftespiel vor.

Jochen Meister